Dank an unseren Chronisten Werner Schäfer
Der Volkschor Straubing hat in seiner über hundertjährigen Geschichte die Kaiserzeit bis hin zur Bundesrepublik im 21. Jahrhundert durchlebt. Über den Werdegang unseres Vereins können Sie hier eine kurze Zusammenfassung lesen. Der Großteil dieses Abrisses über die Geschichte des Chores ist der Chronik „Volkschor Straubing 1905-2005“ von Werner Schäfer entnommen. Ihm gebührt der Dank für endlose Stunden an Recherche und Schreibarbeit! Würden wir seine Leistung nicht erwähnen – wir würden uns mit fremden Federn schmücken.

1905: Der Arbeitergesangsverein „Frohsinn“ wird ins Leben gerufen

Am 4. Oktober 1905, acht Uhr abends, waren alle „sangeslustigen Arbeiter Straubings“ eingeladen, sich zur Gründungsversammlung des neuen Gesangsvereins „Frohsinn“ einzufinden.  Dies ist damit auch die Geburtsstunde des heutigen Vereins „Volkschor Straubing“ - wenngleich sich der Chor erst im Jahre 1927 diesen Namen geben wird.


Die Chöre der Arbeiterbewegung konnte man grob in zwei Gruppen einteilen. Einem Teil der Arbeiterchöre ging es vorrangig um Agitation durch Gesang und Musik. Jenseits der bürgerlich-konservativen Kulturvereine versuchten sie, in der Arbeiterschaft ein eigenes Bewusstsein für proletarische Musikkultur zu schaffen. Häufig spiegelte sich das Anliegen dieser Vereine auch in ihren Namen wie „Lasalle“, „Vorwärts“ oder „Freiheit“ wider.
Der andere Teil der Arbeiterchöre widmete sich gemäßigteren Zielen. Neben den Arbeiterliedern räumten sie der Pflege des traditionellen Liedgutes einen großen Raum ein. Sie wollten der  Arbeiterschaft den Zugang zu Kultur und Bildung erleichtern. Politische Agitation stand viel weniger im Mittelpunkt. Vereine mit dieser Zielrichtung hatte oft auch andere Namen wie „Edelweiß“, „Liederhort“ oder eben: „Frohsinn“.
Den Statuten kann man entnehmen, dass Anfang des 20. Jahrhunderts in Vereinen sicher noch ein etwas anderer Wind wehte. Die strengen Disziplinregeln in den Vereinen wären heutzutage im 21. Jahrhundert völlig undenkbar. Ebenso spielten in vielen Organisationen Frauen keine Rolle. Auch der Gesangsverein „Frohsinn“ war da ein Kind seiner Zeit:


Die Vereinsstatuten im Jahre 1905


„§2. Mitglied kann jeder unbescholtene Mann werden. Aktive Mitglieder sind jederzeit verpflichtet an allen Gesangsabenden teilzunehmen. […] Unentschuldigtes Fernbleiben von den Gesangsabenden zieht für aktive Mitglieder eine Strafe von 10 Pfg. für jeden einzelnen Fall nach sich.“
„§4. Ausschluss aus dem Verein […] erfolgt […]
a) wenn ein Mitglied den Interessen des Vereins zuwiderhandelt. [...]
c) wenn ein Sänger die Gesangsabende oder Proben 4 mal hintereinander unentschuldigt versäumt.“


1919-1921: Der neue „ArbeitergesangsvereinLiederhort“ scheitert letztlich


Nach dem Zweiten Weltkrieg lag in Straubing das kulturelle Leben endgültig am Boden. Da rief der „Schneider und Arbeitersänger“ August Schurr im Jahre 1919 eine Versammlung ein mit dem Zwecke, die Sänger der Chöre „Liederhort 1910“ und „Frohsinn“ zum „Arbeitergesangsverein Liederhort“ zusammenzuführen. Frauen blieben übrigens immer noch ausgeschlossen: Der „Liederhort“ war eine reine Männerangelegenheit.
Der neue „Liederhort“ hatte keinen guten Start: Die Mitglieder des neuen „Liederhortes“ hatten sich zum Teil zur sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Tradition bekannt. Ein anderer Teil aber tendierte eher zum bürgerlichen Milieu. Der damalige Chronist des Vereins sah einen Großteil der Sänger „eher für Gottesdienste geeignet als für Arbeiterfeierlichkeiten“. 1921 schließlich beschloss der Teil der Sänger, der der Arbeiterbewegung nahe stand, sich in einem eigenen Chorverein zu organisieren.


1921: Herr August Tückmantel gründet den „Arbeitergesangsverein Freiheit


Der Straubinger Schleifer August Tückmantel zeigte im Juni 1921 gegenüber der Stadtverwaltung an, dass sich der „Arbeitergesangsverein Freiheit“ gebildet hat, von dem er selbst Vorsitzender war. Der bisherige Chorleiter des „Liederhortes“, der eigentlich eher bürgerliche Gymnasialprofessor Scheidacher, war auf die Seite der Arbeitersänger gewechselt und übernahm die Leitung des Gesangsunterrichts im neuen Chor.


Ausflug des Arbeitergesangsvereins „Freiheit“ nach Bogen im Jahr 1921


1923: Die Frau wird im Vereinsleben erlaubt!

Im Juni 1923 schließlich hat der Gesangsverein zugelassen, was heutzutage eine Selbstverständlichkeit ist: Ein Frauenchor wird neben dem bisherigen Männerchor ins Leben gerufen. Beide sollten in Zukunft zu einem gemischten Chor zusammengefasst werden – aber vorerst probten Frauen und Männer noch getrennt voneinander. Vermutlich schien die sofortige und völlige Aufhebung der Geschlechtergrenzen im Jahre 1923 noch zu dreist. Aber der wesentliche Schritt war getan: Es gab ab da Sängerinnen in unserem Chor!


1927: Sangesschwestern und -brüder werden gemeinsam zum „Volkschor


Seit vier Jahren musizierten also Straubingerinnen und  Straubinger im Verein „Freiheit“. Nachdem sich die Mitglieder entschlossen hatten, grundsätzlich gemischte Proben zu halten, wollten sie dieser neuen Gemeinsamkeit auch durch eine andere Benennung Ausdruck verleihen: Der Verein erhielt den Namen „Volkschor Straubing“.
Männer und Frauen sangen zusammen im „Volkschor Straubing“. Das brachte natürlich eine viel größere Bandbreite im Liedgut und erhöhte auch das Potenzial an Straubingern, die man zum Singen im Chor animieren konnte. Aber auch das soziale Leben im Verein änderte sich dadurch deutlich: Sonntagsausflüge mit den Familien wurden zur schönen Tradition - so wie auch die Anzahl der Konzerte in Straubing und benachbarten Städten stark anstieg. Der jetzt zahlenmäßig viel stabilere Chor aus Sängerinnen und Sängern zeigte sich bei vielen Gelegenheiten in und um Straubing herum:



Der Volkschor Straubing beim Sängertreffen 1928 in Deggendorf

Ab 1930: „Des san ja lauta Kommunisten!“

Der „Volkschor Straubing“ war sicherlich in seiner Gründungsgeschichte ein der Arbeiterbewegung nahe stehender Verein. Aber im Spektrum der proletarischen Gesangsvereine gehörte er eindeutig zu den gemäßigten Vereinen. Dennoch spürte er ab 1930 bei mehreren Auftritten deutliche Vorbehalte gegen seine angebliche politische Ausrichtung: Bei den barmherzigen Brüdern erhielt der Chor trotz voriger Vereinbarung nur schwerlich Eintritt – und die Patienten waren nicht verständigt worden. Es gab kaum Publikum. Im Krankenhaus der Elisabethinen in Azlburg war es nicht anders. In der kirchlichen Welt und in zunehmend national gefärbten konservativen Kreisen war der Volkschor („lauter Kommunisten“) alles andere als willkommen.

1933: Die NSDAP „schaltet“ ganz Deutschland „gleich“ - auch den Volkschor

Nachdem im Januar 1933 Hitler zum Reichskanzler ernannt worden war, kam es zur „Gleichschaltung“ aller Parteien und Vereine in Deutschland. Im Juni 1933 wurde die SPD verboten- und alle ihr nahe stehenden Organisationen. Der Volkschor Straubing hörte auf zu bestehen. Am 30. Juni 1933 wurden 16 Straubinger Sozialdemokraten öffentlich durch die Stadt zum Bahnhof geführt, um sie in das KZ Dachau zu verschleppen. Unter ihnen waren die Volkschor-Sänger August Schurr, Alois Kohlbeck und August Tückmantel. Georg Fischl entging der Verhaftung – vermutlich wegen seiner schweren Beschädigung, die er sich im Ersten Weltkrieg zugezogen hatte.



Straubinger Sozialdemokraten und Volkschormitglieder auf dem Weg ins KZ Dachau 1933

1933-1945: Überleben in der Nazizeit

Einige ehemalige Volkschor-Sängerinnen und -sänger hatten sich dem Gesangsverein „Liederhort“ angeschlossen, der in Straubing als bürgerlicher Chor immer noch existierte. Außerdem gab es in Straubing auch noch einen Chor namens „Liedertafel“.
Beide Chöre trafen sich im März 1934 im Gasthof Schötz. Der NS-Kulturwart Kirnberger leitete die Versammlung ein und überbrachte den Wunsch der NSDAP, die beiden Chöre sollen sich zu einer „Singgemeinschaft Liederhort-Liedertafel“ vereinigen. Von diesem Moment an schloss jedes Versammlungsprotokoll in der Vereinschronik stets mit dem Gruß „Heil Hitler!“. Viele ehemalige Volkschor-Mitglieder wirkten bei der neuen „Singgemeinschaft“ mit. Aber die Tatsache, dass sie jahrelang Mitglied im verbotenen Volkschor gewesen waren, durfte auch bei der Würdigung von Sängerinnen und Sängern im Straubinger Tagblatt nicht erwähnt werden. Es gab jetzt nur noch Mitglieder der „Singgemeinschaft“. An den Verein „Volkschor“ sollte möglichst nichts mehr erinnern.
Im Juni 1934 wurde der Chorleiter Professor Scheidacher seines Amtes enthoben. Er hatte sich nachhaltig einer Anregung eines Chorsängers widersetzt, „nationaleres“ Liedgut einzustudieren. Der Nachfolger hieß Andreas Goldhuber. Er versprach der Singgemeinschaft die „Pflege des deutschen Liedes“. Rein praktisch schaffte er aber einen gewissen Kompromiss zwischen den Erwartungen der ehemaligen Volkschor-Sänger und der Kontrolle des Vereins im damaligen NS-Staat.
Im Jahre 1938 – also vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges – hat die „Singgemeinschaft“ offenbar etwa 27 Sängerinnen und 37 Sänger. Nach wie vor gab es etliche ehemalige Volkschor-Mitglieder, die Freude am Singen hatten - trotz der zunehmenden Kontrolle durch die NS-Parteiorgane. Besondere Blüten trieb die NS-Gleichschaltungspolitik beispielsweise 1938 beim Schriftführer August Schurr. Sangesbruder Schurr, der überzeugte Sozialdemokrat und ehemalige KZ-Häftling, sah sich gezwungen, jedes Protokoll mit dem verhassten Schriftzug „Heil Hitler!“ zu beenden.
Der Verein war im NS-Staat am Leben geblieben. Seine Wurzeln, die er in der Arbeiterbewegung hatte, musste er dabei leugnen. Doch das musikalische und soziale Miteinander im Chor hörte bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges nicht auf.



Ausflug nach Salzburg im Juni 1938

1945: Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg

Im Oktober 1945 erteilte die alliierte Militärregierung etwa 30 ehemaligen Volkschormitgliedern die Erlaubnis, die „Singgemeinde Straubing“ neu zu gründen.



Gesuch der „Singgemeinde Straubing“ im Oktober 1945

Etwa ein Jahr später legte die Vorstandschaft einen weiteren Antrag vor, nämlich die Zulassung des „Volkschor Straubing“ unter seinem wirklichen, früheren Namen. Bei der Beurteilung dieses Antrags ist der amerikanischen Militärregierung übrigens zunächst ein fataler Fehler passiert: Zuerst wurde der Antrag auf Vereinsgründung des „Volkschor Straubings“ abgelehnt – wegen angeblicher zu großer Nähe zur NSDAP im Dritten Reich! Dieser Irrtum konnte aber recht schnell bereinigt werden. Und so fanden 1946 wieder regelmäßige Chorproben und musikalisch Abende statt, gestaltet vom Straubinger Volkschor!


1954-1984: Die Ära Toni Mauser jr.

Toni Mauser jr., ein wohlbekannter Straubinger Musiker, Chorleiter und Komponist (z.B. die Operette „Das Zigeunermädel“, 1927), konnte im Jahr 1954 als neuer Leiter des Volkschores gewonnen werden.
In den drei Jahrzehnten seines Wirkens hat er den Volkschor wesentlich mitgeformt. So schrieb zum Beispiel die Südbayerische Sängerzeitung im Jahre 1957: „Unter den Chören des Kreises hat sich der Volkschor Straubing zum besten emporgearbeitet. Dies mag teils ein Verdienst des aufopfernden Dirigenten Toni Mauser jr., teils der Erfolg der Vereinsmitglieder und vor allem der Vorstandschaft sein, die in ernsthafter Arbeit mitgeholfen haben, dem Verein diese Leistungsfähigkeit und Popularität zu verschaffen.“ Die positive Ausstrahlung, die der Chor entwickelte, war zu einem großen Teil auf die Sympathie zurückzuführen, die Toni Mauser für den Verein und die einzelnen Sänger empfand. Er war mit Herz und Verstand dem Volkschor zugewandt. Dass der Funke vom Dirigenten auf die Sangesbrüder und -schwestern übersprang, war für die vielen Zuhörer bei den Konzerten stets zu spüren.
Außerdem zeigte Mauser ein sicheres Gespür für Liedgut, mit dem man die Zuhörer in die Konzerte locken konnte: Mozart, Mendelssohn-Bartholdy, Schubert, Brahms, ... – also die klassische populäre Gesangsmusik. Aber ab den 1960 stieß er in eine andere, ebenso beliebte Musikrichtung vor: Das Herbstkonzert 1961 stand unter dem Motto „Von der Oper zur Operette“. Dort wagte der Volkschor sogar den Gefangenenchor aus Beethovens Fidelio und das berühmte „Teure Heimat“ aus Verdis „Nabucco“. Der Chorleiter Mauser verstand es geschickt, Konzertprogramme zusammenzustellen, in denen viele ansprechende Ohrwürmern geboten wurden – ohne das gesangliche Niveau des Chores aus dem Blick zu verlieren.



Der Landesvorsitzende des Deutschen Sängerbundes Zwierlein verleiht Toni Mauser das Goldene Ehrenzeichen (25. Oktober 1965).

1984 – 1991: Der Chor unter weiblicher Führung: Rosi Gahbauer

Toni Mauser übergab im Jahr 1984 das Zepter an Rosi Gahbauer. Zwar war sie keine studierte Musikerin wie ihre Vorgänger. Aber sie besuchte – ausgehend von Ihrem natürlichen musikalischen Talent – mehrere Lehrgänge des Deutschen Allgemeinen Sängerbundes zur Ausbildung von Amateur-Chorleitern. Die Bezeichnung „Amateur“-Chorleiterin beschreibt die Arbeit von  Rosi Gahbauer sehr treffend: Ihre Liebe zur Musik und Ihr persönliches Engagement für den Chor steckten die Sänger an.



Stabwechsel von Toni Mauser zu Rosi Gahbauer, geb. Kürzinger.

Offensichtlich hielten es mehrere Konzertkritiker in den 80er-Jahren für „sehr bemerkenswert“, dass der Volkschor unter weiblicher Führung auftrat. Als beispielsweise 1986 die heute sehr bekannte Pianistin Susanne Anatchkova (damals noch: Susanne Huber) zusammen mit dem Volkschor unter der Leitung von Rosi Gahbauer Konzerte gab, sah der Kritiker Rudolf Röhrl eine ungewöhnliche „weibliche Note“.



Konzert 1986: Der Volkschor unter Leitung von Rosi Gahbauer mit den Solisten Susanne Huber und Stefan Pfuhler.

In den 80er Jahren brach die Mitgliederzahl des Volkschores stark ein. Allein in den Jahren 1986 und 1987 sank die Mitgliederzahl von 45 aktiven Sängern auf 30 bis 33 Sänger. Der Vorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende Dieter Rähr warnte vor Resignation und setzte ein Arbeitsprogramm dagegen, das den Trend umkehren sollte:

Ab 1988 gab es zum Beispiel den „Straubinger Sängerhaufen“- eine Auswahl an Sängern großteils aus den Reihen des Volkschores. Die Existenz des Volkschores und des kleineren „Sängerhaufens“ wurde übrigens vereinsintern nicht immer mit Begeisterung hingenommen. Da der „Sängerhaufen“ in der Regel Liedgut von deutlich höherem Niveau einstudierte, befürchteten Sänger des Volkschores „in den eigenen Konzerten nicht mehr die hauptsächliche Attraktion“ zu sein.
Doch die Befürchtungen legten sich nach einiger Zeit: Da beide Chöre unter der Leitung von Rosi Gahbauer antraten, gelang es ihr sehr gut, beide Chöre in den Konzerten angemessen zur Geltung kommen zu lassen.

1988: Der langjährige Vorsitzende Dieter Rähr übergibt das Amt

Seit 1966 hatte Dieter Rähr die Geschicke des Chores als Vorsitzender gelenkt und dabei den Verein durch einige seiner größten Erfolge geführt. Nach 22 Jahren schließlich kandidierte er nicht mehr als Vorsitzender. Im Jahr 1988 schlug er deshalb den Tenor-Sänger Josef Sternecker als seinen Nachfolger vor. Im gleichen Jahr ernannten die Chormitglieder Dieter Rähr zum Ehrenvorsitzenden. Bis heute steht der Ehrenvorsitzende Dieter Rähr den amtierenden Vorständen mit Rat und Tat zur Seite!



Dieter Rähr wird durch Josef Sternecker zum Ehrenvorsitzenden des Volkschores ernannt.

1991-1997: Boris Blahak und Michael Krönung

Im Zeitraum von 1991 bis 1994 war Boris Blahak Chorleiter des Volkschores. Blahak erwies sich als behutsamer und kompetenter Dirigent. Seine Leidenschaft, nämlich Gospels und Spirituals, brachte er in den Volkschor ein. Auf diese Weise konnte er mehrere jüngere neue Mitsänger gewinnen. Und so ist es ihm gelungen, die Mitgliederzahl nach dem Tiefstand von knapp über 20 Sängern wieder zu steigern. Das Bild zeigt den Chor im Jahr 1993 mit Boris Blahak und inzwischen wieder 26 Sängern:



Der Volkschor mit Boris Blahak (1993)

1994 führte das Studium Boris Blahak weg aus Straubing – und beendete gleichzeitig sein Wirken als Chorleiter. Michael Krönung, ein Musiklehrer und Kirchenmusiker, übernahm die Probenarbeit beim Chor. Seine Schwerpunkte lagen in der geistlichen Musik und unter der weltlichen Musik vor allem bei den Madrigalen. Dabei gelang es ihm, die Präzision und die Dynamikarbeit des Chores deutlich zu steigern. Noch heute setzen viele Sängerinnen und Sänger bei der Darbietung von Liedgut, das unter Krönungs Leitung einstudiert worden ist, die damaligen Choranweisungen von ganz alleine um („Hier gaaanz leise, ich möchte an dieser Stelle niemanden laut hören!“).



Michael Krönung, der Chorleiter in den Jahren 1994 bis Ende 1997

Seit Januar 1998: Franz Schnieringer dirigiert den Chor

Der gebürtige Straubinger Franz Schnieringer (*1961) hatte sein Abitur am Anton-Bruckner-Gymnasium gemacht. 1980-1985 studierte er Kirchenmusik an der Musikhochschule in München, dann 1986-1989 Musikwissenschaften an der Uni München. 1990-1997 wirkte er als Korrepetitor und musikalischer Leiter am Theater an der Rott in Eggenfelden.



Der heutige Chorleiter Franz Schnieringer dirigiert die Sänger schon seit 1998.

Ein wahrlich großer Wechsel hatte sich vollzogen: Franz Schnieringer prägte den Chor von Anfang an. Seine Philosophie ist es, die Freude am Singen zu ermöglichen. Weniger der Drill und das penetrante Einstudieren immer der gleichen Takte, bis jede punktierte Achtelnote sitzt, standen im Mittelpunkt. Stattdessen hatte sich Schnieringer von Anfang an vorgenommen, die Liebe seiner „Amateure“ zur Musik zu entfachen.
Freude und Begeisterung können Zuhörer und Sänger bei vielen Konzerten wegen Franz Schnieringers Wahl des Liedguts und dessen humorvollen Auftretens spüren. Das Schmunzeln des Chorleiters ist in Konzerttiteln wie „Heitere Chormusik der Renaissance“ (2001), „Heiteres und Mo-Zärtliches“ (2002) oder „Fröhliche Lieder aus aller Welt“ (2004) deutlich herauszuhören!

2005: Der Volkschor feiert seinen hundertsten Geburtstag

Das Jahr 2005 stand ganz unter dem Stern der 100-Jahre-Feier: Der Volkschor feierte zusammen mit dem Chor der Auferstehungskirche Landshut, der Liedertafel Geiselhöring 1862, der Chorgemeinschaft „Mandlsplitter“ und dem Singkreis Steinach seinen Geburtstag an einem gelungenen Konzertabend.



Der Volkschor bei seinem Jubiläumskonzert im Oktober 2005

Da nur wenige Chöre auf ein derartig langes Bestehen zurückblicken können, hat der Straubinger Volkschor 2005 die „Zelter-Plakette“ des Bundespräsidenten verliehen bekommen. An den Volkschor-Vorsitzenden Bruno Aumer übergeben wurde diese hohe Ehrung im März desselben Jahres durch die Landesvorsitzende des Deutschen Allgemeinen Sängerbundes (DAS):


Die DAS-Landesvorsitzende Eva Maria Schaarschmidt verleiht die Zelter-Plakette an das Ehepaar Aumer

Überarbeitet und zusammengestellt: Matthias Maas